Blick von der Caldera de Taburiente in Richtung Süden

Traditionen auf La Palma

Feste und Folklore sind auf La Palma sehr lebendige Traditionen, die nicht nur für Touristen am Leben erhalten, sondern auch von den Palmeros gepflegt werden. Dazu gehören neben der reichhaltigen kulinarischen Tradition die traditionelle Musik, Tänze und Trachten, aber auch alte Bräuche und sportliche Wettkämpfe wie der kanarische Ring­kampf (Lucha canaria), Calabazos, Hirtensprung und Stockkampf.


Lucha canaria

Bei diesem von den palmerischen Ureinwohnern überlieferten Ringkampf versuchen zwei Mannschaften mit je zwölf Männern (oder Frauen) nach und nach einander niederzu­ringen. Bekannte Kämpfer werden wie Stars umschwärmt. Über die Wettkämpfe wird prominent in den lokalen Medien berichtet. Der Kampf findet barfuß und in hochgekrem­pelten Hosen statt. Es geht um Kraft und Fairness. Schmerzhafte Schläge oder Fußtritte sind verboten. In drei Runden von knapp zwei Minuten muss einer der beiden Kämpfer zu Fall gebracht worden sein. Wer zwei Mal zu Boden geht, hat verloren.

Lucha canaria in El Mazo

In der Saison (Februar bis Mai) finden an vielen Orten auf La Palma am Wochenende Wettkämpfe in gut besetzten Arenen (Sandplätze von zehn Metern Durchmesser) statt. Empfehlenswert ist beispielsweise ein Ringkampf in der Mehrzweckhalle von El Mazo. Wettkämpfe mit Teams von anderen Kanareninseln haben die Lucha zu einer der belieb­testen Sportarten der Palmeros gemacht. Die Orte Santa Cruz, Breña Alta, Mazo, Fuencaliente, Las Manchas, Los Llanos, Tazacorte und Tijarafe sind in Ligen organisiert.


Hirtensprung (Salto del Pastor)

Wie der kanarische Ringkampf geht auch diese Tradition vermutlich auf die vorspanischen Benahoaritas, die palmerische Urbevölkerung zurück. Ziegenhirten mussten im steilen felsigen Gelände La Palmas zu allen Zeiten große Sprünge machen, um ihre Herden rasch einzuholen. Die sportlichen Hirtensprünge mit Hilfe eines drei bis vier Meter langen Holzstocks ("lanza") wirken oft atemberaubend hoch. Meister ihres Fachs können sich auch bergauf oder über Hindernisse hinweg an der Sprungstange hinaufhieven. Mehrere Vereine lehren diese alte Hirtenkunst, die es auch auf anderen Kanaren gibt. Am unteren Ende wird die Stange durch eine Metallspitze verstärkt. Um bergab zu springen, setzt der Hirte die Spitze auf der tiefsten Stelle des Geländes auf und lässt sich hinab gleiten. Um einen höher gelegenen Ort zu erreichen, schwingt er sich an der Stange zu der gewün­schten Stelle hoch. In La Galga (Puntallana) erinnert ein stilisiertes Denkmal an die alte palmerische Disziplin des salto.


Juego del Palo (Stockkampf)

Der Stockkampf auf La Palma geht vermutlich auf altkanarische Traditionen zurück. Heute praktizierte Stockkämpfe erfordern ein hohes Maß an Geschicklichkeit und gutes Training.


Riego de Calabazo (Wasserschöpfen)

Das Wasserschöpfen mit Hilfe ausgehöhlter Kürbisse (calabazo) war früher eine pure Notwendigkeit zur Bewässerung der Felder in der palmerischen Landwirtschaft, vor allem im Aridanetal. Mit Hilfe einer an einem Stock befestigten Kürbishälfte wurde Wasser aus einem Bewässerungsgraben in einen höher liegenden Wassertank geschöpft. Da die Bauern früher das Wasser nicht direkt aus der Leitung auf ihre Felder leiten durften, sondern gezwungen waren, es von der Hand zu schöpfen, entwickelten sie dies zu einem Wettkampf. Ein Calabazos-Wettkampf erfordert Kraft und Ausdauer. In Argual erinnert ein Denkmal an diese palmerische Tradition.